16. Dezember 2019

Wie erstelle ich ein Deepsky Astrofoto?

Beispiel Irisnebel, NGC 7023, Sternbild Kepheus

Am faszinierendsten bei der Fotografie sind für mich Objekte oder Motive im verborgenen oder unerreichbaren. Diese liegen dann z.B. im Schatten oder in der Nacht. Mit unerreichbar meine ich eher das fotografieren im astronomischen Terrain, sprich Deepsky. Hierbei kommt man aber meistens nur mit etwas mehr Aufwand ans Ziel. Da ist dieser bläuliche Reflektionsnebel ein schönes Beispiel um mir mal bei meiner Herangehensweise über die Schulter zu schauen 😉

„die Farben der Sterne und Gasnebel machen das triste Universum richtig interressant“

Blickt man durch den Sucher der Kamera in den Nachthimmel sieht man außer einigen Sternen fast nichts. Die meisten lichtschwachen Objekte sind mit dem bloßen Auge nicht erkennbar. Darüber hinaus ist alles erstmal nur schwarzweis. Daher werden in der Astrofotografie Galaxien und Nebel erst mit Hilfe der Langzeitbelichtung sichtbar. Vor allem die Farben der Sterne und Gasnebel machen das triste Universum richtig interressant. Also wird lange fotografiert bzw. belichtet. Wie das bei meinem Irisnebel im Einzelnen aussieht zeige ich anhand meiner bisherigen Erfahrungen und einigen Aufnahmen.

Zuerst ein Blick auf die dafür verwendete Ausrüstung. Als Kamera kommt eine EOS 700D zum Einsatz. Als Optik ein Teleobjektiv mit 400 mm Brennweite (f/5,6). Um der Erddrehung entgegenzuwirken wird eine astronomische Nachführung vom Typ StarAdventurer eingesetzt, welcher von einem Autoguider noch optimiert wird. Der Autoguider gleicht Unregelmäßigkeiten der Nachführung aus, steuert die Belichtungszeit der Kamera und versetzt den Bildausschnitt nach jeder Aufnahme um ein paar Pixel um die Bildqualität zu verbessern. Weiter kommt noch eine Objektivheizung sowie ein Tablet zur Bildkontrolle zum Einsatz. Alles läuft „Standalone“ über Akku, also mobil auch noch gut einsetzbar.

Nach dem Einnorden auf den Polarstern und einschalten der Montierung geht es an das auffinden des Objektes. Ist eine Region am Sternenhimmel noch unbekannt, helfen Sternenkarten oder die Software Stellarium oft weiter. Mit Hilfe eines Teleobjektivs (70-200) und einem Laser wird grob das gewünschte Sternbild angefahren und einige Testfotos in verschiedenen Brennweiten gemacht. Ist das gewünschte Objekt in der Nähe des Lasers, wird nun das Objektiv markiert und gegen das etwas größere mit 400 mm getauscht. Wieder folgen einige Testfotos und ich korrigiere gegebenenfalls die Bildposition. Dank Objektivschellen an meinen Teleobjektiven kann auch der Bildausschnitt noch passend gedreht werden. An der Kamera wird nur eine Einstellung vorgenommen. In diesem Fall eine ISO von 3200. Bevor ich die Aufnahmen starte kontrolliere ich noch ein letztes mal die Einnordung und stelle nach, falls notwendig. Zum Schluss wird der Autoguider aktiviert. Dieser sucht sich einen Leitstern als Fixpunkt und hält somit die Montierung genau am gewünschten Objekt. Die Objektivheizung sollte vor all dem aber schon angebracht und eingeschaltet sein, damit nichts mehr verstellt wird.

„Hier achte ich darauf das die Sterne wirklich immer rund sind und keine Striche ziehen“

Jetzt geht es endlich an das erstellen der Aufnahmen. Der Autoguider wird auf eine Belichtungszeit von 180 sek. gestellt. Pause ca. 10 sek. Diese etwas längere Pausenzeit nutze ich zur Überprüfung der gemachten Fotos. Hier achte ich darauf das die Sterne wirklich immer rund sind und keine Striche ziehen. Ein Blick auf das Histogramm verrät mir darüber hinaus, ob die Belichtung ebenfalls in Ordnung ist. An diesem Abend habe ich 35 Fotos belichtet. Also knapp zwei Stunden. Da ich den Nebel mit einem relativ Lichtschwachen Teleobjektiv (f/5,6) aufgenommen habe, fehlt zur optimalen Belichtungszeit noch sehr viel. Für diese Nacht muss es aber reichen. Die Arbeit unter dem Sternenhimmel ist nun abgeschlossen und es wird fix abgebaut. Daheim wartet dann noch etwas Arbeit am Rechner um die Bild-Rohdaten zu entwickeln.

Als erstes werden die Aufnahmen am PC durchgeschaut, ob eventuell doch ein Wackler dabei ist und die Belichtungszeiten alle gleich sind. Flugzeug- und Satellitenspuren sind auf vielen Fotos zu erkennen, stören aber hierbei eigentlich nicht. Damit das fertige Bild in der elektronischen Bildbearbeitung nicht stark verrauscht, werden alle Fotos übereinander gelegt und gemittelt. Für die weitere Bearbeitung wird das Summenbild u.a. gestretcht um Kontraste zu erhöhen und die Farbkanäle werden in Balance gebracht. Die finale Bearbeitung in einem weiteren Grafikprogramm bringt dann eine weitere Kontrasterhöhung. Nebelstrukturen heben sich nun deutlicher vom Hintergrund ab. Etwas Rauschreduzierung und etwas höhere Sättigung runden das Endergebnis ab. Als letzten Schritt wird das Bild noch etwas zurecht geschnitten und in ein webtaugliches Format gebracht.

Vom Anfang der Fotosession bis zum Ende der Bildbearbeitung bleibt es eine spannende Sache, weil man vorher nie weis wie das Endergebnis aussehen wird. Mir gefällt es, dass ist das wichtigste!

Das ist Faszination Sternenhimmel 🙂

Irisnebel – Einzelbild

Das Rohbild (RAW-Format) wie es aus der Kamera kommt. Der Rotstich hierbei kommt von der Astromodifikation der Kamera. Dieses hat aber bei diesem Objekt keinen Einfluss auf das Bildergebnis. Die Strukturen des Irisnebel sind nur schwer zu erkennen und das Bild rauscht deutlich.

Irisnebel – Summenbild

Das Summenbild aus 35 Einzelaufnahmen nach dem stretchen und einer Farbkalibrierung. Man erkennt schon etwas mehr. Der Hintergrund ist ebener. Dunkelnebel heben sich leicht vom Hintergrund ab. Das Bildrauschen ist deutlich reduziert.

Irisnebel – Endergebnis

Das Endergebnis schaut im Vergleich zum Einzelbild ganz anders aus. Recht deutliche Nebelstrukturen um den Hauptstern herum. Die Dunkelnebel noch einmal etwas deutlicher. Gräuliche Nebelschleier werden im ganzen Bild erkennbar.

Aufbau u. Einstellungen

Technik: Die Nachführung, in der Mitte (rot). Kamera mit Objektiv, links. Autoguider mit Leitrohr, unten und rechts.

Bildkontrolle am Tablet

Überwachung der Belichtungsreihe. Alle 5 bis 10 Bilder ein Blick auf das Sternabbild und die Belichtung.

Aufnahmeserie läuft

Wenn alles läuft ist auch Zeit für einen längeren Blick in den herrlichen Sternenhimmel. Nichts bleibt verborgen 😉

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